A Day At The Races

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen! Das gilt natürlich auch für meine Pilgerfahrt zum Formel 1-Grand Prix am Sonntag auf dem Nürburgring. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an Carsten, der die Tickets mit mir geteilt hat und natürlich an das Team von F1-2000.de!

Carsten & Martin

Carsten & Ich / Erinnerungsfoto kurz vor Start des Rennens

Hier nun also mein detaillierter Reisebericht, sozusagen ein Drama in 4 Akten

1.) Der Tragödie erster Teil: die Anreise

Die zurückzulegende Strecke zum Nürburgring beträgt knapp 250 km, der Routenplaner veranschlagt dafür ca. 2,5 h Fahrtzeit und das F1-Rennen startet bekanntlich um 14:00 Uhr. Da man ja aber immer etwas Puffer einplanen sollte und auf der Rennstrecke noch einiges an Vorprogramm in Form von Rennen anderer Klassen (Formel BMW, GP2, Mini Challenge, Porsche Mobil 1 Supercup) geboten wurde, beschlossen wir, um 8:00 Uhr loszufahren, in der Hoffnung, mindestens noch das Porsche-Rennen mitnehmen zu können, das für 11:50 Uhr angesetzt war. Oh, wir Ahnungslosen!

Zunächst lief auch noch alles prächtig und kurz nach 10:00 Uhr befanden wir uns auch schon 2 km vor der Autobahnausfahrt. Auf dieser Höhe begann es sich aber bereits zu stauen, auch im Verkehrsfunk wurde man kontinuierlich aufgefordert, sich frühzeitig auf dem Standstreifen einzusortieren, sollte man den Nürburgring als Ziel haben. So ging es also auf Standstreifen und rechter Spur nur sehr schleppend voran und wir benötigten eine geschlagene Stunde für diese letzten 2 km Autobahn!

Doch zumindest kurzfristig war auch hier für Unterhaltung gesorgt, als es hinter uns plötzlich einen Schlag ließ – den aus der Motorhaube quellenden Rauchschwaden nach zu urteilen war dem schwarzen Mercedes mit dem „Kastelruther Spatzen“-Aufkleber wohl der Motor geplatzt! Natürlich wünsche ich so etwas niemandem, auch nicht dem hartgesottensten Volksmusik-Fan, aber ein klein wenig Schadenfreude konnte ich mir nicht verkneifen …

Kurz nach 11:00 Uhr hatten wir dann endlich die Autobahn verlassen. So langsam sahen wir allerdings schon sämtliche Felle davonschwimmen, denn schließlich lagen noch etwa 27 km über Land vor uns und Hochrechnungen aufgrund der letzten 2 km ließen nichts Gutes erahnen! Doch wir hatten Glück und es lief etwas besser auf der Landstraße. Wir kamen sogar noch zu unserer ganz eigenen, kleinen Eifelrundfahrt, als ein Polizist den Verkehr nach rechts umleitete, anscheinend, um für etwas Entlastung der Strecke zu sorgen, denn als wir nach einiger Zeit wieder an dieselbe Stelle gelangten, durften wir auch wieder geradeaus weiterfahren …

Etwa 1,5 h später hatten wir dann auch endlich den Ring erreicht und einen Parkplatz gefunden. Die Parkzone „B2“, die am nächsten an unserer Tribüne (5b, siehe unten) lag, war natürlich bereits voll und geschlossen, aber in der Zone „B7“ fanden wir dann schließlich noch ein lauschiges Plätzchen auf der Wiese und auch der anschließende Fussmarsch in Richtung Tribüne hielt sich von dort aus in Grenzen. Da wird einem dann aber erst einmal richtig bewusst, was das eigentlich bedeutet, wenn die Fahrer irgendwo auf der Strecke liegenbleiben und dann einen Teil des Rückweges zu Fuss zurücklegen müssen …

So waren wir dann also doch noch rechtzeitig vor dem Start des Hauptrennens auf unserer Tribüne. Dort machte sich dann angesichts unserer Sitzplätze dann gleich noch einmal Ernüchterung breit: mit einer Überdachung hatte ich ja, im Gegensatz zu Carsten, nicht wirklich gerechnet, aber dass die Tribüne im Prinzip nichts mehr ist als eine Beton-Treppe, auf deren Stufen die Sitzplätze eingezeichnet sind, das hat mich dann doch etwas desillusioniert. Und das bei einem Preis von 184,37 € pro Karte!

Auch auf den ursprünglich geplanten Mittags-Imbiss verzichteten wir dann angesichts der beträchtlichen Warteschlangen und begnügten uns stattdessen mit unseren mitgebrachten Backwaren.

2.) Das Rennen – der 1. Versuch …

Bereits im Vorfeld waren sich die Wetterdienste mit Ihren Prognosen nicht so ganz einig. Als wir auf dem Ring ankamen, herrschte noch Sonnenschein bei kühlen 19 Grad, aber es waren auch einige Wolken am Himmel. Kurz vor dem Start hatte sich auch schon eine recht bedrohlich wirkende, große schwarze Wolke über dem Kurs manifestiert und es erklang die Durchsage „Regen in 3 Minuten!“. Na prima! Und so kam es auch dann, pünktlich zum Start öffneten sich die himmlischen Schleusen und „monsunartige Regenfälle“ (O-Ton der Rennkommentators) stürzten auf uns herab. In diesem Moment fragte ich mich ernsthaft, ob ich diese Strapazen denn wirklich freiwillig auf mich genommen habe und wünschte mir nichts sehnlicher, als zu Hause auf meiner warmen Couch zu sitzen und das am TV verfolgen zu können.

Leider bekam ich dann auch von den spannenden ersten Runden nicht besonders viel mit. Es gab zwar gegenüber in einiger Entfernung eine Videoleinwand, auf der man das Renngeschehen verfolgen konnte, allerdings war ich zu sehr damit beschäftigt meinen Schirm aufzuspannen und auszurichten, um möglichst viel Wasser von mir abzuhalten. Nachdem dann auch einige Wagen an uns vorbeigerutscht waren, kam irgendwann endlich das Safety-Car auf die Strecke und nach der 4. Runde hieß es dann schließlich: Rennabbruch! Wer die Übertragung des Rennens nicht live gesehen hat, kann die turbulente Anfangsphase übrigens hier noch anschauen – YouTube sei dank!

3.) Das Rennen – der 2. Versuch …

Kurz nach Abbruch des Rennens ließ der Regen dann Gott sei Dank etwas nach und über die Lautsprecher wurde bekannt gegeben, dass ein Neustart des Rennens um 14:35 Uhr stattfinden sollte. Der Neustart fand dann auch wieder hinter dem Pace-Car statt, in der Rennreihenfolge, die zum Zeitpunkt des Rennabbruchs herrschte. Nette Anekdote am Rande: Debütant Markus Winkelhock hatte beim Neustart die Pole Position inne, da er das Rennen als Letzter startete und das Spyker-Team am schnellsten auf die Wetterbedingungen reagiert und bei Winkelhock Regenreifen aufgezogen hatte, so dass er sich im Gegensatz zu den restlichen Fahrern einen Boxenstopp zum Reifenwechsel sparen konnte.

Danach nahm das Rennen wieder seinen Lauf und es war ganz interessant, Hamilton’s Aufholjagd zu beobachten, sowie der Kampf zwischen Räikkönen und Alonso um Platz 2 – zumindest bis Räikkönen dann auf einmal sehr langsam wurde und mit einem technischen Defekt ausfiel und danach dann das Duell zwischen Alonso und Massa um den Sieg. Dabei saßen wir dann auch goldrichtig, denn das entscheidende Überholmanöver des Spaniers, mit dem er sich dann auch den Sieg sicherte, fand in „unserer“ Kurve, direkt vor unseren Augen statt. Zumindest eine kleine Entschädigung für die ungemütliche Startphase …

Und auch ein schönes Überholmanöver von Hamilton gegen Fisichella gab es kurz vor Schluss noch bei uns zu sehen, wenngleich es auch Hamilton keine Punkte mehr einbrachte, da er nicht mehr genug Zeit hatte, auch noch den 2. Renault von Kovalainen zu überholen, der den 8. Platz noch in’s Ziel rettete.

Neben der Videowand gab es übrigens noch eine Anzeigetafel, auf der immer der aktuelle Rennstand von Platz 1-10 eingeblendet war, allerdings mit den Startnummern der Fahrer, die man ja auch nicht alle unbedingt im Kopf hat, vor allem bei diesem Rennen, bei dem auch etliche Autos in den Punkten landeten, die man sonst nicht so oft dort findet.

Hier noch ein Beispiel für den Blick von unserer Tribüne, geschossen von Carsten:

Nuerburgring 2007

Zusätzlich gab es über die Lautsprecher auch noch einen Rennkommentar von Radio Nürburgring in Zusammenarbeit mit Radio RPR.

4.) Die Abreise

Nach dem Rennen machten wir uns gleich wieder auf die Socken und als wir unser Auto wieder gefunden hatten (eine Wiese sieht da doch aus wie die andere!) stürzten wir uns wieder ins Getümmel – nach den Erlebnissen auf der Herfahrt auf’s Schlimmste gefasst. Als wir uns wieder in Richtung A61 orientierten, woher wir auch gekommen waren und aber schnell merkten, dass es sich wieder staut, kam Carsten auf die geniale Idee, dem Hinweis auf die Autobahnauffahrt zur A48 zu folgen, der direkt am Ausgang unseres Parkplatzes in die entgegengesetzte Richtung führte. Den kleinen Umweg in Kauf zu nehmen erwies sich im Nachhinein als gute Idee, denn hier lief es ohne weitere Staus absolut flüssig und wir waren um 19:30 Uhr wieder zuhause. Auch die Fahrt über Land bis zur Auffahrt zur A48 war toll, die Polizei hatte alles abgesperrt und die Strasse konnte 2-spurig befahren werden …

5.) Fazit

Es war definitiv ein Erlebnis. Allerdings eines, das ich nur bedingt weiterempfehlen kann. Ehrlich gesagt kann ich nicht ganz nachvollziehen, warum so viele Leute freiwillig einen Haufen Knete für F1-Tickets ausgeben und teilweise noch längere Anfahrtswege als unseren dafür in Kauf nehmen? Da wir die Karten ja gewonnen haben, geht das wohl in Ordnung, aber es wäre natürlich wesentlich günstiger gewesen, wenn das Rennen in Hockenheim gewesen wäre … und auch wenn das Rennen jetzt schon von den Medien als lengendär bezeichnet wird, wäre mir ein langweiligeres, aber dafür trockenes Rennen definitiv lieber gewesen. Die Regenrennen sieht man sich dann doch lieber zuhause im trockenen Wohnzimmer an! Wobei, dann hätte ich ja nicht so viel zum Bloggen gehabt … 😉

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2 Antworten

  1. Obwohl ich überhaupt nichts mit Motorsport anfangen kann, war dein Bericht sehr unterhaltsam zu lesen… und das mit dem warmen, trockenen Wohnzimmer kann ich voll und ganz nachvollziehen… 😉

  2. Freut mich, wenn’s unterhaltsam war – trotz der Länge! 😉

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